Grenzenloses Handwerk
Ein Leuchtturmprojekt geht in die letzte Runde: Vom 9. bis zum 12. März 2026 verwandelte sich die Grenzregion zwischen Bayern und Südböhmen erneut in einen lebendigen Lernort. Das Projekt „Helden des Handwerks – Perspektiven im Handwerk“ schloss damit ein Kapitel, das weit über die rein berufliche Orientierung hinaus Maßstäbe für die deutsch-tschechische Verständigung setzte.

Teilnehmer der Schulen beim Bau eines Sitzhockers beim Polstermöbelhersteller NEUK
Das Projekt, das im Rahmen des EU-Programms INTERREG Bayern – Tschechien 2021-2027 gefördert wurde, war stets mehr als nur ein Schüleraustausch. Es war eine Investition in die Zukunft. Organisiert von der Handwerkskammer (HWK) Niederbayern – Oberpfalz in enger, partnerschaftlicher Kooperation mit der südböhmischen Wirtschaftskammer, bot das Treffen den Schülerinnen und Schülern der Grundschule Třeboň, der Grundschule Krumau, der Mittelschule Hauzenberg sowie der staatlichen Realschule Freyung eine unvergessliche Erfahrung.
Die berufliche Orientierung ist von entscheidender Bedeutung und bildet das Fundament für eine nachhaltige Ausbildung junger Menschen. In diesem Bewusstsein bot das Programm den Jugendlichen eine Reise durch die Welt der Möglichkeiten: Vom Drahtbinden und Backen bei KreBul, über den Einblick in das traditionelle Handwerk der Fischerei und die moderne Wasserwirtschaft in Vodňany bis hin zu praktischen Erfahrungen bei den Firmen NEUK s. r. o. (Polsterei) und VAVI s. r. o. (Textilhandwerk). Die Schüler lernten nicht nur Materialien und Arbeitstechniken kennen, sondern erlebten hautnah, dass handwerkliche Präzision ein unverzichtbarer Motor unserer Gesellschaft ist.
Begleitet wurde diese ereignisreiche Woche durch die engagierten Lehrkräfte Anna Heindl, Matthias Bernhard und Mathias Simmerl auf deutscher Seite, während die Koordinatorinnen Veronika Beierova (südböhmische Wirtschaftskammer) sowie Gitte Wagner und Stefanie Mikla (HWK Niederbayern-Oberpfalz) im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf und die pädagogische Qualität sorgten.
Für die Staatliche Realschule Freyung stellt dieses Projekt weit mehr als eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag dar. Als einzige Realschule Niederbayerns, die ihren Schülern die Möglichkeit bietet, Tschechisch zu lernen, ist der Austausch ein zentrales Element des Schulprofils. Besonders stolz ist die Realschule Freyung auf ihre diesjährigen Teilnehmer, die den Austausch mit großem Interesse und Engagement bereicherten: Benedikt Pichler, Manuel Reihofer, Maximilian Reihofer, Michael Neubauer, Linus Kanamüller, Max Nair und Sebastian Strobl. Sie vertraten ihre Schule vorbildlich und trugen maßgeblich dazu bei, den europäischen Gedanken im täglichen Miteinander erlebbar zu machen. „Durch diese Kooperation gelingt es uns, den europäischen Gedanken nicht nur im Klassenzimmer zu lehren, sondern im täglichen Miteinander erlebbar zu machen“, betonen die Verantwortlichen. Sprachliche Bildung und berufliche Orientierung verschmelzen hier zu einer wertvollen Einheit, die den Horizont der Jugendlichen maßgeblich erweitert.

Von links: Kateřina Tříšková, Gitte Wagner, Veronika Beierova und Christian Kaiser
Der Abschluss fand in der Aula des Gymnasiums Prachatice statt. In einer feierlichen Zertifikatsübergabe würdigten zahlreiche Ehrengäste den Einsatz der jungen „Helden des Handwerks“. Unter den Anwesenden befand sich auch der Bürgermeister von Prachatice, Herr Mgr. Jan Kotrba, der die Bedeutung solcher Projekte für die kommunale Verbundenheit betonte. Ebenfalls anwesend waren Christian Kaiser, Bereichsleiter der HWK Niederbayern-Oberpfalz, Kateřina Tříšková als Vertreterin der südböhmischen Wirtschaftskammer und Christine Reitberger von der Bundesagentur für Arbeit. Das langjährige Engagement aller Beteiligten für die tschechisch-bayerische Bildungszusammenarbeit trug maßgeblich zum Erfolg des Projekts bei.
Auch wenn das Projekt nach vier erfolgreichen Durchgängen nun in der bisherigen Form seinen Abschluss fand, herrscht bei allen Beteiligten Einigkeit: Die positiven Erfahrungen, das gewachsene Vertrauen und der unschätzbare Gewinn für die berufliche wie persönliche Entwicklung der Schüler sollen nicht verloren gehen. Die Projektpartner arbeiten bereits mit Hochdruck daran, die wertvollen Inhalte in eine neue, zukunftsfähige Form zu überführen. Denn eines ist sicher: Der europäische Gedanke, geknüpft durch das Handwerk und die Sprache, bleibt ein essenzieller Bestandteil unserer grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Die „Helden des Handwerks“ haben ihre Spuren hinterlassen – und werden auch in Zukunft, in welcher Form auch immer, die Brücken zwischen Bayern und Tschechien weiter stärken.









