Zeitzeugengespräch über den RAF-Terror der 70er-Jahre: Ein eindrucksvolles Erlebnis an der Realschule Freyung
In einer bewegenden Zusammenkunft an der Realschule Freyung wurde den Schülerinnen und Schülern ein einzigartiges Zeitzeugengespräch geboten, das tiefgreifende Einblicke in eine der dunkelsten Epochen der deutschen Geschichte gewährte. Herr Aribert Martin, ein ehemaliges Mitglied der GSG9, das maßgeblich an der Befreiung der Geiseln der Entführung der Passagiermaschine "Landshut" beteiligt war, besuchte die Schule, um seine Erfahrungen und Erlebnisse zu teilen.

Foto: Schulleiterin Frau Ursula Stegbauer- Hötzl, Zeitzeuge Herr Aribert Martin, Landeszentrale für politische Bildung Frau Rosaviola Frohneberg, Fachbetreuer Politik und Gesellschaft Herr Mathias Simmerl, Fachbetreuer Geschichte Herr Philipp Triebe, Mitglied der Schulleitung Herr Christian Pfau sowie Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen der Realschule Freyung
Das Jahr 1977 markierte einen Wendepunkt im deutschen Linksterrorismus, als die RAF und andere extremistische Gruppen ihre Gewalttätigkeit auf die Spitze trieben, und der "Deutsche Herbst 1977" das Land in Angst und Schrecken versetzte. Die Entführung der "Landshut", eine schicksalhafte Episode dieser Zeit, erregte weltweites Aufsehen und kulminierte in einer dramatischen Rettungsaktion, die auch als Ende des Linksterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland gilt.
Herr Martin, der als Insider die Ereignisse von 1977 hautnah miterlebte, schilderte den Schülerinnen und Schülern detailliert die Situation an Bord der entführten Maschine. Insbesondere lenkte er den Fokus auf das Verhalten der Terroristen und ihren Anführer Zohair Youssif Akache, der unter dem Alias "Kapitän Machmut" agierte. Mit beeindruckender Präzision beschrieb er auch den Verlauf der Befreiungsoperation "Feuerzauber", bei der er selbst eine entscheidende Rolle spielte.
Die Jugendlichen lauschten gebannt seinen Worten und zeigten sich schockiert über die Brutalität, mit der die Terroristen gegen die Passagiere und das Bordpersonal vorgingen. In einer Atmosphäre der Stille und des Respekts stellten sie Herrn Martin eine Fülle von Fragen zu seinen Gedanken und Emotionen während des riskanten Einsatzes sowie zu den langfristigen Auswirkungen auf sein Leben und seine berufliche Laufbahn.
Simon Windorfer aus der Klasse 10B wollte tiefer eindringen und fragte: "Was ging Ihnen vor der Stürmung des Flugzeuges durch den Kopf? Wie haben Sie sich gefühlt?"
Sophie Bauer aus der 10D wollte von Herrn Aribert Martin wissen, ob er oder seine Kollegen Angst vor diesem riskanten Einsatz hatten und wie sie damit umgegangen sind.
Mit Geduld und Empathie beantwortete Herr Martin jede einzelne Frage und nutzte die Gelegenheit, den Schülerinnen und Schülern die Bedeutung demokratischer Grundwerte und die Notwendigkeit ihres Schutzes zu vermitteln. Er betonte die Chancen und Vorteile eines Lebens in Freiheit und Demokratie und appellierte an die kommende Generation, sich aktiv für den Erhalt dieser Werte einzusetzen.
Herr Aribert Martin verdeutlichte den Schülern auch die Bedeutung von Resilienz und situativer Aufmerksamkeit. Diese Fähigkeiten sind nicht nur in herausfordernden Situationen wie einer Flugzeugentführung von Bedeutung, sondern auch im Schulleben und im Alltag. Resilienz hilft dabei, schwierige Situationen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen, während situative Aufmerksamkeit es ermöglicht, sich bewusst und konzentriert auf die gegenwärtige Situation einzulassen und angemessen zu reagieren.
Das Zeitzeugengespräch wurde von Frau Stegbauer-Hötzl, der Schulleiterin der Realschule Freyung, enthusiastisch begrüßt. "Dieses eindrucksvolle Erlebnis wird als wichtiger Bestandteil des Geschichts- und Politikunterrichts auch in Zukunft an der Realschule Freyung einen festen Platz haben, um das Bewusstsein für die Herausforderungen und die Bedeutung demokratischer Werte zu schärfen."









